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East Side Gallery

Da ich es immer wieder falsch gehört habe, eine kurze Anmerkung: Die East Side Gallery ist ein in der Berliner Landesdenkmalliste eingetragenes Denkmalfür alle hier einsehbar. Was ein Denkmal ist, wird im Denkmalschutzgesetz des jeweiligen Bundes-
landes festgelegt. Hier der relevante Auszug aus dem Berliner Denkmalschutzgesetz:

§ 2 Begriffsbestimmungen
(2) Ein Baudenkmal ist eine bauliche Anlage oder ein Teil einer baulichen Anlage, deren oder dessen Erhaltung wegen der geschichtlichen, künstleri­schen, wissenschaftlichen oder städtebaulichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt.


In Deutschland wird zu jedem Denkmaleintrag eine Begründung geliefert, die erläutert, warum das jeweilige Bauwerk ein Denkmal wurde, so auch geschehen bei der East Side Gallery:

“Unübersehbar ist der 1,3 km lange, mit 106 Bildern ausgestattete Mauerrest entlang der Spree. Die farbenfrohe und motivreiche East Side Gallery in der Mühlenstraße 45-80 gilt als bedeutendes Dokument der Zeitgeschichte. (1) Im Januar 1990 entdeckten 118 Künstler aus 21 Ländern diesen Abschnitt der zu DDR-Zeiten bewachten und daher – im Gegensatz zur Westberliner Seite – vollständig unbemalten bzw. unkommentierten Berliner Mauer als Malgrund. Sie gestalteten auf den Betonsegmenten die größte Open-Air-Galerie der Welt und schufen mit ihren individuellen Botschaften und Kommentaren ein Dokument dafür, daß Freiheit und Kreativität letztlich stärker sind als Zwangsmaßnahmen und Gewalt. Die East-Side-Gallery ist nicht nur sichtbares Resultat der Maueröffnung im November 1989. Infolge des inzwischen nahezu vollständigen Abrisses der Berliner Mauer zählt sie auch zu den wenigen Relikten der Grenzanlagen, die die fast dreißig Jahre währende Teilung der Stadt noch an ihrem ursprünglichen Standort wahrnehmbar machen.”

Möchte man diskutieren, welche Kriterien bei Denkmalen in Zukunft angesetzt werden sollen, sollte es auf Grundlage sachlicher Argumente geschehen. Zum Einstieg empfehle ich den Text “Erweiterung des Denkmalbegriffs?” von Willibald Sauerländer und “Inventarisation der Bau- und Kunstdenkmäler” der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland.

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Praxis der Denkmalpflege

Im letzten Semester hatte ich ein sehr interessantes Seminar, das “Praxis der Denkmalpflege” hieß und vom Brandenburger Landeskonservator geleitet wurde. Anfangs stellte er uns einige Denkmale vor und erklärte die wichtigsten fachlichen sowie gesetzlichen Grundlagen. Dann kamen wir Studenten an die Reihe, indem wir uns ein Denkmal aussuchten, den Denkmalwert – die Gründe, warum das Ensemble/Gebäude überhaupt Denkmal wurde – beschrieben und den praktischen Umgang mit dem Denkmal erläuterten, also die Baugeschichte und die denkmalpflegerischen Maßnahmen vorstellten. Zum Schluss bewerteten wir diese Maßnahmen, wobei wir so taten, als wären wir Denkmalpfleger. Ich hatte mit einer Kommilitonin zusammen das Refektorium, den früheren Speisesaal, des ehemaligen Zisterzienserklosters in Doberlug-Kirchhain zum Thema.
Refektorium

Es war von Anfang etwas schwer mit meiner Korreferentin, da sie offensichtlich sehr viel zu tun hatte beziehungsweise ihre Prioritäten wohl anders setzte. Das hatte zur Folge, dass ich alleine zum Landesamt für Denkmalpflege in Zossen fuhr, um dort mehr über den Umgang mit dem Refektorium zu erfahren. Sie hatte sich dann aber doch noch mit dem Restaurator in Verbindung gesetzt, und wie es bei solchen Leuten meistens der Fall ist, hatte sie auch mehr Glück als Verstand, da sie auf den wirklich allerletzten Drücker noch wertvolle Informationen von ihm erhalten hatte. Beim Termin vor Ort war es dann so, dass sie über die Baugeschichte referieren, ich die Baubeschreibung machen sollte und wir schließlich unsere beiden Bewertungen – sie positiv und ich (Überraschung!) negativ – darstellen wollten.

Das “Problem” bei dem Refektorium ist nämlich meiner Meinung nach, dass der Mittelteil nach einer mittelalterlichen Fassung restauriert wurde, die beiden Anbauten an den Seiten (auf dem Foto der verputzte Teil im Vordergrund), in denen sich Treppenhäuser befinden, aber aus den 1950ern stammen. Sie wurden aber dennoch als wertvoll erachtet, weil es auf historisierende Weise geschah – offiziell wird das dann als “Respekt vor dem historischen Bestand” bezeichnet. Außen also mittelalterliche Gestaltung, innen wurde dann im Erdgeschoss ein weißer Verputz wiederhergestellt, der erst im 16. Jahrhundert dazu gekommen war und eine mittelalterliche Fassung des Innenraums in roter Farbe, die bei der bauhistorischen Untersuchung gefunden wurde, wurde ignoriert. Im ersten Stock wurde in den 1950ern ein Veranstaltungssaal eingebaut, der nun auch wiederhergestellt wurde, damit er zu diesem Zweck genutzt werden kann.

Ich halte diese Mischung aus verschiedenen Zeitschichten für etwas problematisch, wenn ich natürlich auch zugeben muss, dass es aus pragmatischen Gründen sinnvoll war, die Anbauten zu belassen, da sich dort die Treppenhäuser befinden und man nicht weiß, wo sich die Aufgänge im Mittelalter befanden. Aber ich würde mir dann wenigstens eine deutlichere Information bezüglich der verschiedenen Zeitschichten wünschen, vielleicht in Form einer Dokumentation der Restaurierung an den Wänden des Erdgeschosses, sodass das für den Besucher etwas offensichtlicher ist.

Beim Referat war es dann so, dass ich ziemlich wütend war, weil meine Korreferentin die Hälfte meines Referats schon erledigte, indem sie in der Baugeschichte das heutige Aussehen des Refektoriums sehr ausführlich beschrieb und für mich außer meiner Bewertung nicht mehr viel blieb. Das führte dazu, dass ich bei der Bewertung noch etwas mehr draufhaute als geplant und tatsächlich sagte, dass das Erdgeschoss als bessere Rumpelkammer genutzt würde. Unser Dozent fand das aber wohl eher amüsant und bewertete unsere gegenteiligen Darstellungen durchaus positiv. Was uns nämlich die 1,0 kostete, war nicht mein Wutausbruch, sondern die Tatsache, dass die Kommilitonin einen Großteil meines Vortrags vorweggenommen hatte.

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Die nächste Irrfahrt

Ich hege eine leichte Abneigung gegen die Deutsche Bahn, da ich vor ein paar Jahren regelmäßig von Mainz nach Berlin gependelt bin und dabei einiges erlebt habe: Zum Beispiel Freitag Abend in Fulda ausgesetzt werden, weil der Zug kaputt ist und dann erst mal dort am Bahnhof Panik schieben, weil das der letzte Zug nach Berlin war und es hieß, man könne ja auch nichts machen. Oder acht Stunden bei sommerlicher Hitze in einem komplett überfüllten ICE am Boden sitzen, bei dem die Klimaanlage ausgefallen ist und jeden Stopp herbeisehnen, da dann Luft durch die offenen Türen hereinkommt. Also mein Bedarf an Abenteuern durch die Deutsche Bahn ist ausreichend gedeckt – bei den hohen Preisen erwarte ich einfach einen besseren Service.

Aus diesem Grund tendiere ich zur Mitfahrgelegenheit. Zwar habe ich da auch schon viele komische Sachen erlebt, aber zumindest ist es günstiger und was die Strecke München – Berlin betrifft, auch schneller. So dachte ich zumindest. Nach einer Stunde unumgänglicher Zugfahrt vom Chiemsee aus stieg ich am Gründonnerstag Abend bei einem Fahrer an einem Park&Ride-Platz in München ein. Nach fünf Minuten Fahrt kamen wir gleich in einen Stau bei Eching-Neufahrn, aber das ist an dieser Stelle nichts ungewöhnliches. Ich fand heraus, dass die eine der zwei anderen Mitfahrerinnen Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin studiert und aus Jüterbog (das ist eine weitere Stadt in Brandenburg, die man unbedingt gesehen haben muss) stammt. Also unterhielten wir uns erst mal richtig gut.

Der Fahrer machte schon nach einer halben Stunde eine Pause an einem Parkplatz, recht früh meiner Meinung nach, aber nun gut. Als er dann zwanzig Minuten später, nachdem wir aus dem Stau endlich raus waren, wieder auf einen Parkplatz zusteuerte, gab es von mir schon ein Stirnrunzeln und ich überlegte, ob er wohl jetzt jede zehn Minuten zum Rauchen anhalten wolle. Allerdings öffnete er die Motorhaube und fummelte mindestens 15 Minuten am Motor rum. Alles im Schneeregen. Auf meine Nachfrage, was denn los sei, kam die Hiobsbotschaft, dass er glaube, der Motor sei kaputt (die genaue Diagnose habe ich wieder vergessen). Er eröffnete uns, dass er den ADAC anrufen und wir dann wahrscheinlich nach München abgeschleppt werden würden. Was für mich nicht so optimal war: Ich hatte ja meine Verwandten am Chiemsee besucht und daher keine Ahnung, ob von meinen Freunden überhaupt jemand in München war oder ob die nicht alle schon über die Osterfeiertage weggefahren waren.

Gruß aus München

Aber es hieß sowieso erst mal auf den ADAC warten, was der überhaupt sagen würde. Vorher wollte ich, auch wegen des Handyakkus, keine unnötige Rundrufaktion starten. Der ADAC stellte nach ungefähr zwei Minuten nicht wirklich genauer Prüfung fest, dass das Auto kaputt war und wir von Abschleppwagen 1, der erst gerufen werden musste, zur nächsten ADAC-Werkstatt abgeschleppt werden müssten, wo dann das kaputte Auto auf Abschleppwagen 2 umgeladen werden sollte. Also wieder warten. Es war glücklicherweise nicht mehr so viel los auf der Autobahn, weil es mittlerweile schon 22 Uhr war.

Abschleppwagen 1 kam relativ schnell und wir wurden zu einer dunklen Werkstatt inklusive LKW-Parkplatz gefahren. Da stellte sich heraus, dass unser toller Fahrer dort schon zum vierten Mal gestrandet war, da sein Ford Mondeo schon 580.000 Kilometer auf dem Buckel hatte, er die Kiste offensichtlich nicht richtig warten ließ, sondern seine ADAC-Mitgliedsbeiträge wohl eher durch Abschleppenlassen wieder hereinholen wollte. Ich war natürlich auf 180 und beschloss, diesem Verrückten keinen Cent für diese „Fahrt“ zu zahlen, da er von sich aus auch nie Informationen an uns weitergegeben hatte, sondern ich immer im Schneeregen rumstapfen und nach Neuigkeiten hatte fragen müssen.

Uns wurde dann mitgeteilt, dass Abschleppwagen 2 das Auto nach Beeskow bringen würde, denn da wohne der Besitzer des Wagens. Da ich auch nicht wusste, wo Beeskow nun wieder liegt: 85 Kilometer östlich von Berlin. Darauf folgten große Telefonkonferenzen mit „Berlin“, wie wir denn irgendwo in Brandenburg abgeholt werden könnten. Ich hatte schon Horrorszenarien im Kopf, nachts in irgendeinem Kaff im Schneeregen zu stehen und nicht zu wissen, wie ich von dort nach Hause kam.

Der Fahrer, der Abschleppwagen 2 steuern sollte, ließ sich aber richtig Zeit und so brauchte ich mir zumindest keine Sorgen mehr zu machen, nachts irgendwo rumzustehen…vielmehr wurde uns langsam klar, dass wir vor dem Morgen gar nicht mehr in Berlin ankommen würden, da so ein Abschleppwagen auch nicht schneller als 100 Kilometer fahren kann. Kurz vor Mitternacht starteten wir endlich und überredeten den Abschleppmenschen, uns irgendwo am Rande Berlins rauszulassen. Geeinigt wurde sich auf einen McDonalds-Parkplatz in Königs-Wusterhausen, von dem wir aber auch erst wegkommen mussten. Da mein Auto in Neukölln stand, weil Kumpel 2 es dort gerade zum TÜV gefahren hatte, war an ein unkompliziertes Abholen durch Kumpel 1 von Charlottenburg aus nicht zu denken. Glücklicherweise hatte der Freund der einen Mitfahrerin schon nachts einen Mietwagen organisiert und holte uns dort am Parkplatz in KW (ich werde noch ‘ne richtige Brandenburgerin, ich kenne jetzt schon die Codeworte) ab. Mittlerweile hatte es, um die Dramatik zu unterstreichen, richtig heftig zu schneien begonnen. Vom Südkreuz, wo wir abgeladen wurden, war ich noch einmal 40 Minuten bis zu mir nach Hause unterwegs. Um sieben Uhr morgens kam ich am Karfreitag nach 12 Stunden Fahrt also zuhause in Berlin an, aber Hauptsache ich bin nicht mit der Deutschen Bahn gefahren!

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Kunsthistorische Irrfahrten

Ich mag Kunsthistoriker ja sehr gern, aber manchmal würde ich mir schon wünschen, dass sie, naja, ein bisschen praktischer wären. Obwohl, vielleicht gehöre ich nach dieser Geschichte auch zu den “Verplanten”: Letzten Freitag sollten wir mit unserem Seminar „Jenseits der Metropole Berlin. Jenseits des Kanons. Mittelalterliche Kunst und Architektur in der Mark Brandenburg“ zu einer zweitägigen Exkursion starten: Erst wollten wir uns in Bad Wilsnack eine Wallfahrtskirche ansehen, von dort weiter nach Stendal fahren, um weitere Kirchen zu besichtigen, dann in einem Kloster übernachten und schließlich zum Rathaus in Tangermünde fahren.

Um nach Bad Wilsnack zu kommen, brauchten wir ein Brandenburg-Ticket in Verbindung mit zehn Minuten Schwarzfahrens, weil das Ding erst ab neun Uhr gilt. Zur Weiterfahrt nach Stendal dann ein Sachsen-Anhalt-Ticket, weil die Mark Brandenburg und die heutigen Bundesländer zwei verschiedene Sachen sind. Da wir letzte Woche aber schon in Perleberg waren und wir trotz unserer Studententickets 27,40 Euro (!) für die Hin- und Rückfahrt zahlen mussten, hatte ich keine Lust mehr, der Bahn noch einen einzigen Cent in den unverschämten Arsch zu blasen.
Bahnhof in Bad Wilsnack Außerdem hieß es, dass wir für die Übernachtung Bettwäsche mitnehmen sollen und wir das komplette Gepäck die zwei Tage mitschleppen müssen. Da Kloster meiner Erfahrung nach richtig kalt sind, bedeutete das, sehr viel tragen zu müssen und ich entschloss mich, lieber mit dem Auto zu fahren. Das fanden die anderen Studenten auch praktisch, weil sie dann ihre Sachen darin zwischenparken konnten. Guter Plan, trotzdem gescheitert. In Bad Wilsnack traf ich die anderen an der Wallfahrtskirche, ein Riesenkasten, der in dem kleinen Ort wirklich nicht zu übersehen ist. Drei Stunden standen wir bei zwei Grad Celsius in dieser Kirche und hörten endlose Referate – leider soll in Kunstgeschichte alles von den anderen Studenten erst mal erarbeitet werden – also eher nach dem Motto „heiteres Rätselraten“…gut, so inkompetent sind die meisten nicht und vielleicht lernt man so wirklich mehr, aber bei diesen Temperaturen würde ich mir wirklich kürzere Vorträge wünschen.
Wunderblutkirche Bad Wilsnack Die Zeit wurde – wie immer – knapp und alle mussten plötzlich relativ schnell zum Zug. Leider konnte mir die Dozentin nicht sagen, zu welcher Kirche sie in Stendal als erstes wollten, weil sie sich erst noch mit dem zweiten Dozenten, der nicht nach Bad Wilsnack mitgekommen war, telefonisch absprechen musste. Ich dachte, ich hätte in irgendeiner E-Mail ihre Handynummer beziehungsweise sagte sie auch, dass sie um 15 Uhr in Stendal ankommen würden. Ich also gemütlich im warmen Auto (ha, Deutsche Bahn, eat this!) nach Stendal gefahren und am Bahnhof auf den Zug gewartet, aus dem allerdings keiner meiner Kommilitonen stieg. In und um den Bahnhof herum auch niemand.

Also fuhr ich zur Jacobikirche, weil sie als mögliches erstes Ziel genannt worden war. Dort war niemand und wie es Kirchen in der Region so an sich haben, war sie natürlich verschlossen (da könnten sie sich wirklich mal an Beispiel an Bayern nehmen – da sind Kirchen offen!). Ich glaube, in dem Moment hat mich zum ersten Mal etwas Panik erfasst, da ich nicht wusste, was ich nun tun sollte: Ich hatte das Gepäck der anderen Studenten in meinem Auto, aber keinen Schimmer, wann sie bei welcher Kirche antraben würden und bei den gefühlten 15.000 in Stendal war die Wahrscheinlichkeit auch nicht groß, zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Kirche zu sein. Ich entschied mich für den Dom, weil sie dort früher oder später aufkreuzen mussten, was alles gar nicht so einfach war, da man überall Kirchtürme sah und in der Größe kein zwingender Unterschied zu den normalen Kirchen ersichtlich war. Allerdings lotsten mich ein paar nette Stendaler in der Fußgängerzone dorthin. Der Dom war natürlich auch verschlossen und weit und breit kein Mensch zu sehen. Ach so, übrigens: Ich hatte alle meine E-Mails bis Anfang Februar zurück nach der Handynummer meiner Dozentin durchsucht, aber nichts… gut, vielleicht hätte ich die Nummer vorher aufschreiben sollen, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie mir eine Stunde vorher nicht sagen können würde, wo sie als nächstes hinfahren.

Natürlich hatten wir im Vorfeld auch nicht die Adresse unseres Übernachtungsklosters bekommen, deshalb hatte ich auch keine Ahnung, wo das nun wieder war. Lediglich der Name „St. Annen-Kloster“ war gefallen und ich suchte mir die Telefonnummer der Touristeninformation heraus, die gottseidank wussten, wo das Kloster ist. Dort konnte ich dann wenigstens die Rucksäcke problemlos abliefern. Ich entschloss mich dann, nach Berlin zurückzufahren, weil ich die anderen vor dem Abend sowieso nicht mehr finden würde und es schon relativ spät war. Ich war aber auch nicht total traurig, da ich nicht wirklich Lust auf weiteres  Frieren hatte…übrigens war eine Studentin bereits von der ersten Station, Bad Wilsnack, zurück nach Hause gefahren – ich war also nicht die erste, die aufgab! Für ein solch extremes Survivaltraining bin ich definitiv ein zu großes Weichei. Allerdings weiß ich jetzt, dass man Stendal unbedingt besuchen sollte, da das ein sehr schöner Ort mit alten Häusern, Gassen und Kirchen ist.

Auf der Rückfahrt legte ich aber doch noch einen Zwischenstopp in Tangermünde ein: Das Rathaus ist viel kleiner, als es auf den Fotos gewirkt hatte, die wir im Grundkurs Architektur letztes Jahr gesehen hatten; aber auch dieser Ort unbedingt empfehlenswert, wenn man ein Faible für mittelalterliche Städte hat.Rathaus TangermündeFährt man von dort weiter Richtung Berlin, kommt man außerdem noch an Kloster Jerichow vorbei, welches ein weiteres Muss für Kunsthistoriker ist – ich glaube, ich könnte Wochen in der Region verbringen und das werde ich bei angenehmeren Temperaturen dann im Sommer auch tun…

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Dringender Spendenaufruf!

Ich möchte heute um Spenden für Bayern und Baden-Württemberg bitten: Man kann es ja nicht mehr mit ansehen, wie diese beiden Bundesländer im Zuge des Länderfinanzaus-
gleichs von dreisten Nehmerländern wie Berlin geschröpft werden. Wenn jeder Einwohner der Nehmerländer jeweils einen Euro für die beiden Bundesländer abgeben würde, müsste doch ein stattliches Sümmchen zusammenkommen. Und vielleicht würden wir dann wenigstens mal eine Woche lang von dummdreisten Stammtischparolen verschont.

Die Diskussion um den Länderfinanzausgleich ist mit der Berliner Schwabendebatte wieder hochgekocht und hat es sogar bis in die New York Times geschafft. Der Artikel berücksichtigt erfreulicherweise, dass Schwaben keineswegs nur in Baden-Württemberg zu finden sind, sondern eben auch in Bayern – eine Information, die mir bei den deutschen Artikeln immer gefehlt hat.

Auch werden die Summen aufgezählt, die Bayern und Baden-Württemberg wegen des Länderfinanzausgleichs zahlen mussten. Was allerdings ebenfalls unter den Tisch fällt, ist die Tatsache, dass das – zumindest im Fall Bayerns – auch mal anders war. Bayern war nämlich früher auch unter den Nehmerländern, was heute schön verschwiegen wird. Das kann man beispielsweise hier nachlesen (wer jetzt wegen Focus Online die Nase rümpft: die Zahlen gibt’s beim Bundesfinanzministerium). 

Wenn damals, als Bayern noch Gelder aus dem Länderfinanzausgleich bekommen hat, die anderen Bundesländern auch „himmelschreiende Ungerechtigkeit“ gezetert hätten, wie das Bayerns Ministerspräsident Seehofer in der FAZ getan hat oder mit Hetzparolen à la „Wir sind solidarisch, aber nicht blöd“ versucht hätten, die anderen Bundesländern für eine Klage gegen den Länderfinanzausgleich zu gewinnen – was wäre dann gewesen?

Ich finde es schade, dass die Leute solcher Polemik bereitwillig Glauben schenken, ohne einmal die Faktenlage zu prüfen. Als ich letztens einem Bayern von den wunderbaren Denkmalen in Brandenburg (in Form von Dorfkirchen etc.) vorschwärmte, wurde mir in der altbewährten Gutsherrenmentalität sofort erklärt, dass das ja nur durch das Geld aus Bayern möglich sei. Das stimmt bei Denkmalen nicht wirklich, prestigeträchtige erhalten zwar einiges an öffentlichen Geldern, aber meist wird ein Großteil durch private Spenden gedeckt. Und dass unsere Denkmalpflegebehörden nur so im Geld schwimmen würden, glaubt doch nicht wirklich irgendjemand ernsthaft? Aber Hauptsache wir behaupten mal irgendetwas, was unser Weltbild gerade rückt: Brandenburg kann nicht schön sein und wenn, dann nur mit unserem (bayerischem) Geld.

Da ich wirklich die Nase voll davon habe, immer das Gehetze gegen Berlin zu hören, hier mal die Retourkutsche. Es wird ja stets nur der gehört, der am lautesten brüllt und das sind dann meist auch noch diejenigen, die (angeblich) den Anstand für sich gepachtet haben. Jetzt mit viel Anstand und Moral zurück polemisiert: Bei der ganzen Geschichte ist Baden-Württemberg wirklich der Gearschte, weil sie seit Anbeginn immer nur gezahlt haben, aber ich würde das gerne unter Schmerzensgeld ablegen, weil ich den, pardon, saudoofen Dialekt auch schon immer in München ertragen musste. Da Baden-Württemberg ja über keine einzige richtige Großstadt (also über 1 Mio. Einwohner) verfügt, gibt es in München ebenfalls eine große schwäbische Minderheit. Also hat meine Abneigung gegen den schwäbischen Dialekt überhaupt nichts mit Berlin zu tun, sondern stammt schon aus bayerischer Zeit. Da ich in Nürnberg geboren, aber in Oberbayern aufgewachsen bin, kann man sich nun aussuchen, wem man das in die Schuhe schiebt (in Berlin wohne ich mit Unterbrechungen seit 2004).

Was Bayern betrifft: Wenn Berliner etwas gegen Bayern sagen, heißt es immer gleich, da spreche der Neid. Aber auf was soll ich denn bitte neidisch sein? Auf Berge? Die kann ich nicht ausstehen und die bayerischen Seen mit ihrem Kieselgrund, geschenkt. Da lobe ich mir doch die Brandenburger und Berliner Seen mit dem weichen Sandboden. München war mir zum Schluss zu langweilig, ich konnte die Leute in der U-Bahn in ihren Quelle-Katalog-Uniformen nicht mehr sehen, alle gleich, bloß nicht auffallen. Und dann die horrenden Mieten: Sorry, ich habe keinen Bock auf Wohnklo. Langsam frage ich mich, ob diese unnötige Arroganz gegenüber Berlin daher rührt, dass die Hauptstadt die jungen Leuten aus aller Welt anlockt und für Bayern nur die sechzigjährigen Rentner übrig bleiben, die 30 Minuten am Königssee herumlatschen und dann im Café bei Apfelstrudel in den Sessel pupen. Gut, einmal im Jahr kommen auch junge Touristen nach München, um sich mit überteuertem Bier die Kante zu geben, bei schlechter Schlagermusik auf den Bierbänken zu tanzen und dann die U-Bahn voll zu kotzen. Ein Prosit darauf!

Natürlich gibt es auch die anderen, bodenständigen Bayern. Die hört man aber nicht, weil sie nicht mit großer Klappe überall herumlaufen und ihre (einseitige) Meinung verbreiten. Genauso wenig wie man mich hört, wenn ich nicht auch mal auf den Tisch haue, weil es reicht.

(Was ich bei meinen Ausführungen komplett unter den Tisch fallen ließ: Hessen ist das dritte Geberland, aber da ja immer nur die berücksichtigt werden, die am lautesten brüllen, müssen die ohne unsere Spendengelder auskommen)

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Fleisch nachbauen

Eine Frage wird mir in letzter Zeit immer wieder gestellt und zwar, wieso denn Veganer – im Gegensatz zu Vegetariern – versuchen würden, Fleischgerichte “nachzubauen”. Die Antwort ist ganz einfach: Wieso denn nicht? Ich bin mit Fleischgerichten groß geworden, also warum sollte ich jetzt darauf verzichten, wenn ich die Möglichkeit habe, sie zu essen ohne Tieren dabei zu schaden? Da ich mich aus rein ethischen Gründen dazu entschlossen habe, keine tierischen Produkte mehr zu essen, erscheint mir das nur logisch und ich kann auch nichts Verwerfliches daran finden.

Vegane Rouladen

Mir hat Fleisch gut geschmeckt, genauso wie Fisch und Meeresfrüchte. Aber als ich 2006 Veganer kennen lernte und sah, dass man ganz gut ohne tierische Zutaten zurecht kommt, fing ich an, das auch für mich in Erwägung zu ziehen. Als ich dann im Urlaub in Lissabon das Oceanário besuchte und sehr fasziniert von dem dortigen Mantarochen (den ich auf den Namen Herbert taufte) war, stand mein Entschluss fest: Ich wollte meiner eigenen Doppelmoral ein Ende setzen, die bei jedem Tier in Entzücken ausbricht, dann aber die ach so süßen Schweinchen frisst. Also probierte ich zwei Wochen lang vegetarisches Essen aus, weil ich nicht so einen harten Schnitt machen wollte, da ich immer sehr viel Käse gegessen hatte. Da das – zu meiner eigenen Überraschung – problemlos geklappt hatte, ging ich zu veganer Ernährung über, weil mir nur diese als wirklich konsequent erscheint. Der Veganismus beschränkt sich nämlich nicht nur auf die Ernährung, alle anderen Aspekte des täglichen Lebens wie zum Beispiel Kleidung (kein Leder, keine Seide, keine Wolle) oder Putz- und Waschmittel spielen eine Rolle. Ich möchte jetzt nicht alle Punkte aufzählen, ich denke auch, dass die meisten Fakten bekannt sind. Wer sich genauer informieren möchte, dem sei zum Beispiel die Vegane Gesellschaft Österreichs ans Herz gelegt, die die wichtigsten Punkte gut zusammenfasst.

Aber zurück zum Essen, was ja gerade momentan eine große Rolle spielt: Ich esse sehr gerne, nur werden eben alle tierischen Produkte durch pflanzliche ersetzt. Manchmal sucht man eben ein bisschen länger nach veganen Keksen im normalen Supermarkt, aber die meisten Marken kennt man schnell und so ellenlang sind die meisten Zutatenlisten gar nicht. Außerdem schmeckt Selbstgebackenes sowieso besser! Hier meine zwei Lieblingsseiten mit veganen Back- und Kochrezepten: veganwelt.de und rezeptefuchs.de. Probiert es doch einfach mal aus!

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Uni = Chaos

Wäre ich Anhängerin von Verschwörungstheorien, würde ich sagen, dass die Uni um jeden Preis verhindern möchte, dass wir portugiesisch lernen. Aber so etwas zu sagen wäre natürlich absurd, deswegen ist wohl richtiger: Die FU Berlin ist einfach vollkommen unfähig, diese Sprache zu lehren. Nach zwei Semestern Sprachkurs bei der einen konzeptlosen Lehrerin, sind wir im Niveau B1 bei der nächsten konzeptlosen Lehrerin im noch volleren Kurs bei jetzt 22 Leuten angekommen.

Anscheinend wurde vorausgesetzt, dass wir alle Zeitformen in den ersten zwei Semestern bereits durchnehmen, deshalb gab es lediglich eine kurze Wiederholung grammatikalisch wichtiger Punkte in Form von 17 Arbeitsblättern. Diese wurde alle einzeln ins „Blackboard“, einer Online-Plattform für Studenten, in der Literatur usw. bereit gestellt wird, geladen. Also 17 einzelne Dokumente speichern/öffnen und erst mal ausdrucken. Was vermisse ich die Zeiten meines Erststudiums, in denen man noch in einen Copyshop schlendern und dort einen fertig ausgedruckten und gebundenen Reader kaufen konnte! Aber wir haben ja 2012 und machen alles online. Nicht.

Der Unterricht läuft theoretisch so ab, dass wir einen Text hätten lesen sollen und über den sprechen – Problem ist, dass die Hälfte des Kurses die richtigen Texte meist nicht dabei hat (das waren nochmal 16 weitere, mehrseitige Dokumente, die man hatte ausdrucken müssen) und auch immer etwas Verwirrung entsteht, was eigentlich Hausaufgabe ist. Irgendwie gibt der portugiesische Wortschwall meist Rätsel auf, was eigentlich zu tun ist und man sieht des Öfteren in ratlose Gesichter. Das liegt aber auch an den „kreativen“ Hausaufgabenideen, mit denen wir zu meinem Leidwesen schon wieder konfrontiert wurden – der aufmerksame Leser erinnert sich an die utopischen Szenarien, die wir im Portugiesischunterricht des letzten Semesters entwickeln mussten.

Der Gipfel dessen war letzte Woche eine Stunde, die als „Kreatives Schreiben“ mit irgend einem Portugiesen angekündigt worden war (so ganz genau weiß man das alles nie, weil Wortschwall und selbst die Flyer, die man zugeschickt bekommt, mangels ausführlichen Inhalts immer mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten). Beim Stichwort „Kreatives Schreiben“ läuten bei mir ja sowieso sämtliche Alarmglocken, aber wegen der Anwesenheitspflicht und meiner Sturheit, „jetzt erst recht, portugiesisch lernen zu wollen“, bin ich da hingestapft – nicht ahnend, dass meine Befürchtungen noch übertroffen werden würden. Im Saal stand ein selbst ernannter „Poeta“, was anscheinend wirklich nur als Dichter übersetzt wird, in roter Weste, dessen Qualifikationen/Werke whatever nie zur Erwähnung kamen, der aber gleich dynamisch (=hektisch) mithilfe – richtig – eines Wortschwalls anfing, uns Kreativität beizubringen. Wir sollten ein Blatt Papier nehmen und uns in den nächsten drei Minuten vorstellen und aufschreiben, wie ein Aschpirina (Aspirin) in ein Glas Wasser geworfen werde, sich dann auflöse und wie es sich dabei fühle. Hm. Ich die drei Minuten dazu benutzt, darüber zu sinnieren, ob der Typ nun schwachsinnig ist oder ich und natürlich gar nicht dazu gekommen, irgendetwas zu schreiben.

Ich habe keine Ahnung, was die Leute sich unter solchen Konzepten à la „Waldorfkindergarten meets Schauspielschule“ versprechen. Auf jeden Fall wusste ich nach Ablauf der Zeit immer noch nicht, wie sich ein Aschpirina fühlt, aber ich fühlte, wie ich schon wieder ziemlich genervt war. Natürlich wurden dann auch noch Leute einfach willkürlich aufgerufen, die vorlesen sollten, was sie geschrieben hatten – schöne Sache! Lustig, dass selbst der Anfängerkurs, der seit einem Monat Portugiesischunterricht hat, anwesend sein musste – sehr sinnvoll, die Armen verstanden natürlich kein Wort und mussten wohl für die 1,5-Stunden in die innere Emigration gehen. Ich für meinen Fall entschied mich – Anwesenheitspflicht hin oder her – für die Variante der äußeren Emigration, packte meine Sachen und ging…

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